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Reizdarm: Warum Probiotika helfen

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Moderator: Helene

Reizdarm: Warum Probiotika helfen

Beitragvon Reimers am 15.07.2011, 12:46

Wenn Schmerzen und Unwohlsein im Bauchraum verbunden mit Durchfällen oder Verstopfung das Leben zur Last machen, greifen viele Menschen zu Probiotika. Mit gutem Grund, sagen Ärzte, denn die Wirkung der lebenden Bakterien sei beim Reizdarm-Syndrom inzwischen gut belegt. In einer Liste der wirksamsten Therapien rangieren Probiotika nach Pfefferminzöl und einer Psychotherapie an dritter Stelle.

Probiotika haben eine lange Tradition in der Medizin, berichtet Professor Paul Enck von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Tübingen. Schon Anfang des letzten Jahrhunderts vermuteten Mediziner, dass die Bakterien durch die Zersetzung von Eiweißen Gifte produzieren. Sie rieten damals, die “Fäulnis” im Darm durch die Einnahme von harmlosen Milchsäurebakterien zu verhindern. Einige der damals propagierten Bakterienstämme werden heute noch eingesetzt.

Doch die These von der Autointoxikation, der Selbstvergiftung aus dem Darm, sei wissenschaftlich widerlegt, sagt Enck. Auch die Ansicht, dass die gutartigen Bakterien in den Probiotika die Krankheitskeime verdrängen, gelte inzwischen als überholt. Der genaue Wirkmechanismus von Probiotika ist nach Einschätzung des Experten jedoch nach wie vor ungeklärt. Man nehme derzeit an, dass die Bakterien einen günstigen Einfluss auf das Immunsystem im Darm haben.

Probiotika wirken laut Enck bei Durchfallerkrankungen nach Antibiotikabehandlung und auf Reisen. Weitere Einsatzgebiete sind Infektionen mit Rotaviren und dem in Krankenhäusern verbreiteten Keim Clostridium difficile. Enck hat 14 Studien mit mehr als 1.800 Patienten analysiert. Das Ergebnis: Patienten mit Reizdarm-Syndrom erfahren unter der Therapie mit Probiotika mehr als doppelt so häufig eine Linderung als bei den Vergleichstherapien. In einer Liste der wirksamsten Therapien rangierten Probiotika nach Pfefferminzöl und einer Psychotherapie an dritter Stelle.

Welche Bakterien die beste Wirkung erzielen, sei nicht bekannt. Die Frage lasse sich kaum klären, da viele Präparate Mischungen verschiedener Bakterien enthalten. So auch in den Studien, die Enck mit seinem Team untersucht hat. Neben Bifidobakterien und Laktobazillus-Stämmen enthielten die Präparate auch Streptococcus faecalis, E. coli oder Enterococcus faecalis.

Bei Kindern sei die medikamentöse Behandlung des Reizdarm-Syndroms besonders schwierig. Es gebe nur wenige nebenwirkungsarme Medikamente. Daher seien nebenwirkungsarme Medikamente wie Probiotika besonders wichtig. Die deutsche Studie an mehr als 200 Kindern mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden habe die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit probiotischer Präparate bestätigt, betont Enck.

WANC 22.03.2011
Quelle: P. Enck et al.: Probiotische Behandlung des Reizdarmsyndroms. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (8): S. 371–375

Quelle: http://www.navigator-medizin.de/sodbren ... elfen.html
Reimers
 
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